Erdbeben halten sich nicht an Restlaufzeiten

Atomkraftwerk - Erdbeben verboten

Ein Interview zur Erdbebensicherheit von Atomkraftwerken mit Axel Mayer vom BUND Freiburg:
“Das Problem ist das Unvorhersehbare” – Jedes Beben ist anders, deswegen kann man kein AKW
erdbebensicher bauen, sagt Axel Mayer vom BUND
taz: Herr Mayer, Japan ist ein Erdbebenland, und selbst
dort scheinen die Atomkraftwerke nicht erdbebensicher gebaut zu sein.
Wie kann das sein?

Axel Mayer: Natürlich hat man beim Bau der
japanischen Reaktoren die Erdbebengefährdung der Region berücksichtigt.
Aber das Problem liegt darin, dass man immer Normen zugrunde legt, die
nicht unbedingt die Ereignisse im konkreten Einzelfall widerspiegeln.
Ereignet sich ein Beben, wie man es exakt in dieser Form noch nicht
hatte, dann ist die Technik dafür möglicherweise nicht ausgelegt. Das
größte Problem sind die nicht vorgesehenen, nicht planbaren
Unfallabläufe.

Ein Beispiel?

Ich nehme eines aus unserer Region: Das französische Atomkraftwerk
Fessenheim an der deutschen Grenze wurde auf das stärkste Erdbeben
ausgelegt, das man am Standort bisher verzeichnet hat. Das war das
Beben in Basel im Jahr 1356, dessen Zentrum 30 Kilometer von Fessenheim
entfernt lag. Sollte ein Beben wieder in Basel stattfinden, würde das
Kraftwerk standhalten; für ein Erdbeben direkt unterhalb des Kraftwerks
jedoch ist die Anlage nicht ausgelegt.


In welchem Ausmaße sind Reaktoren in Deutschland von
Erdbebenrisiken betroffen?

Das AKW Mülheim-Kärlich wurde stillgelegt, weil es nicht für
Erdbeben ausgelegt war. Auch die beiden Blöcke in Biblis sind deswegen
in der Kritik.

Was kann in einem Atomkraftwerk beim Erdbeben aus
technischer Sicht alles passieren ?

Es kann zum Riss oder gar zum Abriss der Rohre im Primärkreislauf
kommen. Besonders in den alten Siedewasserreaktoren ist dieses Risiko
groß, in Druckwasserreaktoren ist es etwas geringer. Es kann auch
passieren, dass die Bremsstäbe nicht mehr einfahren können und der
Reaktor außer Kontrolle gerät. Das Reaktordruckgefäß kann beschädigt
werden, und das Notkühlsystem kann ausfallen.

Wie kam es zu dem Brand des Transformators in Japan?

Das Problem ist, dass die Definitionsmacht über die Störfälle immer
beim Betreiber liegt. Alle bekannten Informationen sind durch deren
Filter gegangen. Als Umweltverband kann man dazu zumeist wenig sagen.

www.taz.de

www.bund-freiburg.de


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