
“Nuclear out of CDM!” Das war das Schlagwort unserer Aktion mit Ecodefense und anderen Umweltorganisationen am
Dienstagmorgen, 09. Juni, vor dem Maritim-Hotel in Bonn. Den Rahmen
bildete die Vorverhandlungen des kommenden Klimagipfels in
Kopenhagen, die vom 01-12. Juni in Bonn stattfanden. Bei den
aktuellen Verhandlungen geht es um Formulierungen für ein
Kyoto-Folgeabkommen, bei dem erneut völkerrechtlich verbindliche
Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen festgelegt
werden sollen. Als nicht hinnehmbar sehen AtomkraftgegnerInnen
Passagen in den aktuellen Textentwürfen, in denen diese
Stromerzeugung im “Mechanismus für umweltverträgliche
Entwicklung” (Clean Development Mechanism, CDM) fixiert wird.
CDM ermöglicht es einem Industrieland, Maßnahmen zur
CO2-Reduktion in einem
Entwicklungsland durchzuführen und sich die dort eingesparten
Emissionen auf das eigene Emissionsbudget anrechnen zu lassen. Das
wollen wir verhindern, denn dann würde die Atomindustrie beim
Export ihrer Risikotechnologie noch stärker begünstigt.
Darum: Nuclear out of CDM!
Wir sprachen mit VertreterInnen von
Umweltorganisationen, die die Verhandlungen intensiv begleiteten
(Interviews folgen).

Die Konferenzdelegierten werden vor dem Eingang des Maritim-Hotels begrüßt…
…um gegen die Aufnahme der Atomenergie als Klimaschutzmaßnahme in den Verhandlungsdokumenten zu protestieren.
Antiatombonn, Termin
Interview mit Ulrike
Roehr von gender cc – women for climate justice
antiatombonn:
Kannst du die Arbeit deiner
Organisation kurz vorstellen?
Ulrike Roehr:
gender cc – women for climate justice
ist ein internationals Netzwerk von Frauen, Frauenorganisationen und
Genderexpertinnen, die dafür kämpfen, dass die
Klimaverhandlungen gendersensibel werden und dass wir das verhindern
– wogegen die Frauen schon lange kämpfen – dass die
Atomenergie nicht in die Klimaverhandlungen einbezogen wird bzw.
Atomenergie nicht als ein Mittel zur Verhinderung des Klimawandels
angesehen wird. Wir wollen, dass unsere Kinder und Kindeskinder auch
noch leben können auf unserem Planeten.
antiatombonn:
Du warst die letzten Tage hier auf der
Konferenz in Bonn. Was ist dein Eindruck: War die Konferenz
erfolgreich?
Ulrike Roehr:
Das ist eine schwierige Frage. Meiner
Meinung nach können diese Konferenzen derzeit kaum erfolgreich
sein. Es verhandeln sehr viele Staaten und jeder will was anderes.
Dabei ist es schwierig, Erfolg zu definieren. Die Trauben hängen
relativ hoch. Das was erreicht werden müsste, ist relativ viel,
und das, was erreicht werden kann, der Konsens zwischen diesen sehr
unterschiedlichen Ländern, wird zu wenig sein. Worüber wir
uns am meisten sorgen, ist ein Abkommen – hier in Bonn wird es noch
kein Ergebnis geben, das Ergebnis ist ja erst für Kopenhagen
geplant – das so schlecht ist, dass man es eigentlich nicht mehr ein
Ergebnis nennen kann. Unser Eindruck hier bei der Konferenz ist, dass
die NGOs, die Zivilgesellschaft sehr präsent sind. Ich war von
Anfang an dabei. Früher war es ganz anders, es waren kleinere
Konferenzen, wo man vertrauensvoller miteinander umging. Jetzt habe
ich den Eindruck, es wird größer, wobei wesentlich mehr
protestiert wird – was ich wunderbar finde – es wird Druck gemacht
auf die Konferenz, aber ob sich das niederschlägt in den
Verhandlungsergebnissen, oder ob nur CO2 verbraucht wird, weil so
viele mit nicht umweltverträglichen Verkehrsmitteln anreisen. Da
bin ich mir noch nicht so sicher.
antiatombonn:
Wir sind eine Bonner Antiatomgruppe.
Was könnten wir tun, um einen – wenn auch kleinen Einfluss –
auf die Konferenz und das Klimaabkommen in Kopenhagen zu haben?
Ulrike Roehr:
Ich persönlich bin auch von einem
deutschen Netzwerk “genanet”, Frauen, Umwelt, Nachhaltigkeit, das einen Schwerpunkt auf den Kampf gegen
Atomenergie hat und Frauen dazu aufruft, sich wieder stärker
gegen Atomenergie zu äußern. Ich denke, was wir derzeit
machen können, ist Leute zu mobilisieren, ihre Kreuzchen bei
Parteien zu machen, die nicht für Atomenergie sind und sich
massiv dazu verpflichten, den Ausstieg aus der Atomenergie zu
unterstützen und Atomenergie nicht unter dem Vorwand des
Klimaschutzes weiter betreiben wollen. Andere Möglichkeiten
sind: Initiativen wie “atomausstieg selbermachen” unterstützen,
Ökostrom beziehen und wirklich selber etwas tun.
Es kommt darauf
an, dass wir alle willens sind, etwas zu verändern und nicht nur
auf die Politik und die großen Industrien schauen und sagen,
die müssen zuerst handeln. Ich will damit nicht das Problem
individualisieren, aber wir müssen an unseren Lebensstilen
arbeiten. Sei es in Bonn oder Lüneburg – wo ich herkomme – oder
sonst wo: Wenn wir unsere Lebensstile nicht ändern, dann wird
das nicht zu Erfolgen führen. Das Problem ist die Kluft zwischen
den Industrieländern und den Entwicklungsländern. Seit
Generationen beuten wir Entwicklungsländer aus, die nun mit den
Folgen des Klimawandels leben müssen, obwohl sie fast nichts
dazu beigetragen haben. Es ist so, dass die ärmsten am meisten
leiden und unter diesen wieder am meisten die Frauen. Was wir für
unsere Glaubwürdigkeit tun müssen ist radikaler Wechsel
unserer Lebensstile.
Antiatombonn:
Ulrike, vielen Dank für das
Gespräch.
asdf
