
“Alle Urantransporte stoppen”, “Stopper les transports d’uranium”, so
die Transparente bei der grenzüberschreitenden Demonstration am Bahnhof
Perl-Apach im deutsch-französisch-luxemburgischen Dreiländereck. Rund
80 AtomkraftgegnerInnen aus Frankreich, Nordrhein-Westfalen und
Südwestdeutschland
versammelten sich am Samstag, 12. Mai, zu einer symbolischen Blockade
auf den Gleisen am
Grenzbahnhof, unterstützt von der Anti-Atom-Gruppe Bonn.
Dort protestieren sie gegen den Transport von Uran, genau genommen
Uranhexafluorid. Etwa alle zwei bis drei Wochen fährt hier ein Zug durch, der über Trier, Koblenz, Bonn, Köln und das Ruhrgebiet die gefährliche Fracht
ins westfälische Gronau bringt, zur dortigen Urananreicherungsanlage (UAA). Im Juni 2006 löste ein
im Güterbahnhof Trier-Ehrang wartender Urantransport Großalarm aus, da
ein Strahlendetektor in einem benachbarten Industriebetrieb erhöhte
Radioaktivität festgestellt hatte.
AtomkraftgegnerInnen fordern, dass die Urananreicherung weltweit
gestoppt wird und keine Urantransporte zu diesem Zweck mehr
stattfinden, so Julia Bäuerlein von der Stop Bure Gruppe, einer
Anti-Atom-Initiative aus Trier, die sich besonders gegen das
Atommüllprojekt im benachbarten Bure in Lothringen engagiert. „Die
Urantransporte sind nicht ohne. Die Folgen eines Unfalls könnten
verheerend sein: Wenn das Uranhexafluorid mit Luft in Berührung kommt,
wird es sofort zu Flusssäure diese ist ätzend und hoch giftig. Alle
Anwohner müssten sofort evakuiert werden. Ganz zu schweigen von der
Radioaktivität, die auch ohne Unfall ein gesundheitliches Risiko
darstellt. Diese Transporte sind eine Gefahr für Anwohner und
Bahnreisende!”, so Thomas Wissen von „Messen für aktiven Umweltschutz”
(MAUS), einem Verein, der die Radioaktivität des Atomkraftwerks
Cattenom misst.

Das Uranhexafluorid stammt aus der Atomfabrik im südfranzösischen
Pierrelatte. Von dort aus wird es über Lyon, Perl-Apach, Trier, Koblenz, Bonn, Köln
und Düsseldorf nach Gronau gebracht und angereichert. Dann können
daraus Brennstäbe für den Betrieb von Atomkraftwerken hergestellt
werden. Entlang der gesamten Atomspirale entsteht Atommüll, dessen
Lagerung nach wie vor ungeklärt ist. Die Produktion des „unlösbaren
Atommüllproblems” wollen die AtomkraftgegnerInnen im Keim ersticken.
Zu diesem Zweck finden Proteste an der gesamten Transportstrecke statt.
Zeitgleich zur Kundgebung in Perl werden AtomkraftgegnerInnen an der
deutsch-niederländischen Grenze bei Gronau gegen Uranmüllexport nach
Russland protestieren
„Die meisten Anwohner ahnen nicht, dass in ihrer unmittelbaren Nähe
radioaktives und hochgefährliches Material vorbeigefahren wird und dass
dabei außerdem Atommüll entsteht”, meint Lydia Tomaschowski von der
Greenpeace Gruppe Trier, die die Aktion unterstützt. Mit der Kundgebung
am 12. Mai wird zahlreichen Menschen der atomare Alltag in der Region
und die Gefahr, die davon ausgeht, vor Augen geführt.
Presseecho:
Video: Manifestation anti-nucléaire à Perl (France 3 Lorraine)
http://jt.france3.fr/regions/popup.php?id=b54a_1920&video_number=1
Trierischer Volksfreund,
08. Mai 2007
www.volksfreund.de
Protest gegen
Uran-Transporte. Gefährliche Fracht
auf der Schiene
Von Bernd Wientjes. (wie)
Atomgegner protestieren gegen regelmäßige Uran-Transporte
durch die Region. Die Züge fahren von Frankreich über Perl
und Trier ins nordrhein-westfälische Gronau. Regelmäßig
rollen sie durch die Region: Züge, die strahlendes
Uranhexafluorid von Frankreich nach Nordrhein-Westfalen
transportieren – unbemerkt von der Öffentlichkeit. Atomgegner
machen nun mobil.
Trier. Hätte Ende
Juni vergangenen Jahres wegen eines im Trier-Ehranger Güterbahnhof
wartenden Zuges, der Uranhexafluorit geladen hatte, nicht das
Strahlenmessgerät einer benachbarten Schrottverarbeitungsfirma
Alarm gegeben, wüsste noch immer kaum einer von den regelmäßigen
Nukleartransporten durch die Region. Nach Informationen von
Atomkraftgegnern rollen die strahlenden Züge von der
südfranzösischen Atomanlage Pierrelatte über Lyon,
Nancy, Metz, Apach, Perl, Trier und Bonn ins nordrhein-westfälische
Gronau in die einzige deutsche Urananreicherungsanlage. Nach dem
Zwischenfall im Juni rollten nach Recherchen von Umweltschützern
weitere dieser Transporte durch die Region, unter anderem im November
und Dezember. Laut der Stop-Bure-Gruppe Trier, die sich gegen den Bau
eines atomaren Endlagers im lothringischen Bure wendet, und
Greenpeace finden alle zwei Wochen derartige Transporte über die
französisch-deutsche Grenze bei Perl statt. Zum Teil soll auf
den Güterzügen 250 Tonnen des hochgiftigen Stoffes
transportiert werden, heißt es in einem Brief, den Atomgegner
an den Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen geschrieben haben.
Sie verlangen darin Aufklärung, ob die Stadt über die
gefährlichen Transporte informiert ist. Bislang liegt ihnen noch
keine Antwort dazu vor.
Nach dem Zwischenfall in
Trier wurde bekannt, dass die Bundespolizei über die Fahrten und
Routen informiert ist und diese auch schützt.

Beim Betreiber der
Anlage, dem britisch-niederländischen Konsortium Urenco, an dem
unter anderem die Energieversorger RWE und Eon beteiligt sind, hält
man sich über die Transporte bedeckt. Eine Anfrage unserer
Zeitung blieb gestern unbeantwortet. Auf der Internetseite informiert
das Unternehmen, in dessen 1985 eröffneter Anlage in Gronau das
Uranhexafluorid angereichert wird, um daraus Brennstäbe für
Atomkraftwerke zu machen, dass es jährlich rund 270 Transporte
per Zug gibt. Über die Strecken wird auf der Seite nichts
gesagt. Die Gefahr, die von Uranhexafluorid ausgeht, wird von Urenco
als gering eingestuft: Der Stoff sei nur “schwach radioaktiv,
nicht brennbar und nicht explosiv”. Bei der Freisetzung von
Uranhexafluorid bestehe eine chemische Gefahr durch ätzende
Flusssäure. “Die Gefahren beim Transport von
Uranhexafluorid sind deshalb zu vergleichen mit den Gefahren beim
Transport anderer ätzender Chemikalien”, heißt es auf
der Internetseite. Man habe verschiedene Unfallszenarien untersucht,
man arbeite aber daran, die Feuerbeständigkeit der
Transportbehälter weiter zu verbessern. Urenco zählt zu den
weltweit vier großen Lieferanten von angereichertem Uran. Im
vergangenen Jahr haben sich die Aufträge für die Anlage
nahe der niederländischen Grenze fast verdoppelt. Daher ist eine
Erweiterung in Gronau geplant.
Atomgegner rechnen damit,
dass sich die Zahl der Transporte dadurch erhöhen wird. In
Protestaktionen wollen sie bundesweit auf die Atom-Transporte
aufmerksam machen. Für Samstag, 12. Mai, 12 Uhr, rufen sie zu
einer Kundgebung in Perl-Apach auf.
Meinung: Grob fahrlässig
Regelmäßig
rollen die Züge mit atomarer, hochgiftiger Fracht durch die
Region, vorbei an Wohngebieten und belebten Bahnhöfen und kaum
einer weiß davon. Selbst die Rettungskräfte an den
Strecken sind nicht über die gefährlichen Transporte
informiert. Diese Geheimhaltung ist grob fahrlässig. Die
Bevölkerung kann nicht geschützt werden. Wie schnell es zum
Ernstfall kommen kann, zeigte sich vor zehn Jahren, als ein
Castor-Transport bei Apach entgleiste, und 2002 beim Zugunglück
von Trier-Ehrang, als eine giftige Chemikalie entwich. Daraus sollten
die Verantwortlichen lernen. Bernd Wientjes
16vor.de
Onlinezeitung für Trier, 10.
Mai 2007
www.16vor.de
Triers
strahlender Transit
Regelmäßig
passieren Züge mit radioaktiver Fracht das Trierer Stadtgebiet.
Auf ihrem Weg von Frankreich bis ins westfälische Gronau
transportieren sie Uranhexafluorid. Im Rathaus hat man Kenntnis von
den Uran-Zügen, doch wird die Verwaltung nicht darüber
informiert, wann und wie oft die strahlenden Waggons durch Trier
rollen. Die Trierer Anti-Atom-Gruppe “Stop Bure” will ihren
Widerstand gegen die Uran-Transporte forcieren und ruft für
Samstag zu Protesten an der deutsch-französischen Grenze auf.
Trier.
“Wer in der Nähe der Bahngleise wohnt, hätte durchaus
Gründe, zweimal im Monat nicht mehr ruhig zu schlafen”, sagt
Julia Bäuerlein und reicht eine Karte über den Tisch. Die
Sprecherin der Trierer Anti-Atom Gruppe “Stop Bure” hat darauf
den Weg eingezeichnet , den nach ihren Erkenntnissen etwa alle zwei
Wochen ein Zug vom südfranzösischen Pierrelatte ins
westfälische Urananreicherungswerk Gronau nimmt. Geladen hat der
Zug hochradioaktives Uranhexafluorid, und Trier ist auf ihrer Karte
die erste Station auf deutschem Gebiet. “Die Behörden halten
die Transporte geheim, weil sie keine Zustände wie beim Castor
wollen”, behauptet sie weiter, “dabei sind sie nicht weniger
gefährlich, und führen vor allem durch dicht besiedeltes
Gebiet.”
Großeinsatz
in Ehrang
Julia
Bäuerlein verweist auf einen Großeinsatz von Polizei und
Rettungsdiensten im Juni letzten Jahres am Güterbahnhof
Trier-Ehrang. Ein Strahlenmessgerät eines nahe der Gleise
gelegenen Schrottbetriebes hatte bei einem im Bahnhof wartenden und
aus Frankreich stammenden Uranzug Alarm geschlagen. Bei der
Betreiberfirma der Urananreicherungsanlage Gronau, URENCO,
war man gegenüber 16vor.de
zu keinem Statement bereit. Ein zugesagter Frage- und Antwortkatalog
lag der Redaktion ebenfalls nicht rechtzeitig vor.
Auf
der URENCO-Website
wiegelt man hinsichtlich der Gefahren von Uranhexafluorid-
Transporten ab. Der Stoff sei “nicht explosiv”, “nicht
brennbar” und auch nur “schwach radioaktiv”. Es wird aber
eingeräumt, dass eine Gefahr für Menschen bei Aufnahme über
die Nahrungskette oder Atmungsorgane sehr wohl bestehen können.
“Die Gefährlichkeit ist mit derjenigen von Schwermetallen wie
Cadmium oder Blei vergleichbar”, heißt es.
“Die Route der Züge
auch durch Trier herauszufinden war “eine grenzüberschreitende
Gemeinschaftsarbeit verschiedener Gruppen”, berichtet derweil Lydia
Tomaschowski von der Greenpeace Gruppe Trier. Sie nennt Greenpeace
Deutschland und Frankreich, aber auch “Stop Bure”, den Trierer
Verein MAUS e.V. und etliche andere. “Sie haben die Bahnstrecke
beobachtet und die Information, wie der Zug aussieht, wie schnell er
fährt, wie viele Wagen er hat, an den Ort mit der nächsten
Anti- Atom-Initiative weitergegeben.”
Unterschiedliche
Auffassungen über Gefahren
Hinsichtlich der Gefahren
vertritt Greenpeace eine grundsätzlich andere Position als die
Betreiber der Urananreicherungsanlage. “Die Behälter für
das Uran sind viel weniger sicher als die Castorbehälter”,
behauptet Sprecherin Lydia Tomaschowski: “Mit der Begründung,
dass Uran angeblich weniger strahle. Wenn das Uranhexafluorid aber
mit Wasser oder der Luftfeuchtigkeit in Berührung kommt, etwa
bei einem Unfall, wird daraus Flusssäure. Dabei handelt es sich
um eine ätzende und Gewebe zerstörende Substanz, die bei
Kontakt bereits in geringen Mengen zum Tod führen kann.” Laut
der URENCO Webseite würde sich die Säure “aufgrund des
hohen spezifischen Gewichtes unmittelbar an der Unfallstelle
niederschlagen.” Laut Greenpeace wären im Umkreis von hundert
Metern um diese “die Hälfte aller Menschen sofort tot”.
Beim Presseamt der Stadt
Trier teilt man derartige Szenarien nicht. Sprecher Hans-Günther
Lanfer räumt zwar ein, dass die Urantransporte der
Stadtverwaltung “grundsätzlich bekannt” seien, betont aber
gleichzeitig die fehlende Zuständigkeit der städtischen
Behörden. Lanfer weiß auch zu berichten, dass “der
Feuerwehr aus einsatztaktischen Gründen keine Informationen
darüber vorliegen, wann und wie oft ein Transport durch Trier
fährt.” Er ist aber überzeugt davon , das bei “einem
Zwischenfall die Feuerwehr in der Lage ist, entsprechende Maßnahmen
einzuleiten und Messungen vorzunehmen.”
Beim
Vorfall in Trier-Ehrang im vergangenen Jahr hätten diese
Messungen sogar eine Unterschreitung des Grenzwertes ergeben. Seitdem
habe die Bahn jedoch vom Schrottbetreiber weiter entfernte Gleise für
die Durchfahrt der Transporte ausgewiesen. Informationen über
gesundheitliche Risiken der Urantransporte für die Bevölkerung
lägen der Stadt nicht vor. Julia Bäuerlein und Lydia
Tomaschowski ficht dies nicht an. Beide wollen am kommenden Samstag,
12. Mai, am Grenzbahnhof Perl-Apach im
Saarland bei einer “internationalen Protestkundgebung” die
Trierer Atomkraftgegner vertreten und ihre “überregionale und
internationale Vernetzung” demonstrieren. von Andreas Armann
